Terraristik   Gebe ab   Verschiedenes   Links   Impressum   Home   © A.Hartig



 


Was macht man mit einer großen, alten, schweren Badewanne die unnütz im Wege steht?
Man grabe sie ein wenig ein, häufe Erde und Steine drumherum, und schon ist die Wanne bereit für die Aufnahme eines Moorbeetes.

Ein Moor ist ein sehr spezieller, extrem nährstoffarmer Lebensraum, in dem viele Orchideenarten und Insektenfressende Pflanzen vorkommen
.
Das wichtigste bei der Anlage eines Moorbeetes ist ein möglichst vollsonniger Standort und ein genügend großer Wasserspeicher.
Ist dieser Wasserspeicher groß genug, brauch das Beet auch bei längeren Trockenperioden nicht zusätzlich gewässert werden. Als Wasserspeicher dienen alte Eimer, Kanister, große Kunststoffblumentöpfe, o.ä.. In die Böden der Eimer werden ein paar Löcher gebohrt, danach kommen sie mit der Öffnung nach unten in die Wanne, deren Abfluß natürlich vorher abgedichtet wurde. Die verbleibenden Zwischenräume habe ich mit alten Blumentöpfen ausgefüllt.
  Vollbild, 75KB
Als Substrat eignet sich am besten Weißtorf, auch der preiswertere Hochmoortorf, eine Mischung aus Weiß- und Schwarztorf, ist noch geeignet. Torfkultursubstrat, ein Mischtorf aus Weiß- und Schwarztorf unter Zugabe von mehr oder weniger Kalk und Nährstoffen ist nicht geeignet.
Gut mit Regenwasser gewässert wird der Torf nun in die verbliebenen Zwischenräume der Eimer gegeben und verdichtet. Da sämtliche Moorpflanzen Flachwurzler sind, reicht über den Eimern eine Torfschicht von 15 - 20 cm vollkommen aus.
Um dem Ganzen noch einen etwas natürlicheren Charakter zu geben habe ich dann noch eine Wurzel und einen Stein so auf die Eimer gelegt, das sie nicht versinken können.
Nun war endlich der spannende Moment des Bepflanzens gekommen. Ähnlich wie im Terrarium neigt man beim studieren der entsprechenden Lektüre zu hemmungsloser Überbesetzung der doch recht knappen Fläche. Einzig und allein der arg strapazierte Geldbeutel hält einen vor allzu ausufernden Einkäufen der wunderschönen Orchideen- und Sarracenenarten ab. So verlockend die günstigeren Angebote vom Gartencenter auch sind, man sollte die Pflanzen über den Fachhandel bzw. Züchter erwerben. Dort bekommt man gesunde, robuste Pflanzen die im hiesigen Klima kultiviert wurden und daher den Winter schadlos überstehen
.
  Gepflanzt wurde an Orchideen das gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), und eine winzige Moor-Pogonie (Pogonia ophioglossoides), drei Sarracenenarten (S. flava, S.leucophylla, S. purpurea), der rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia), ein paar Zweige Moosbeere (Vaccinium uliginosum), ein kleiner Farn aus meinem Teich, und natürlich eine kräftige Handvoll Sphagnum-Moos.
Das hört sich eigentlich recht viel an, aber die kleinen Pflanzen und das Sphagnum verschwanden einfach auf der Fläche und es sah recht kahl aus.
Die Pflege des Moorbeetes gestaltete sich recht einfach. Da in ein Moor so wenig wie möglich Nährstoffe eingebracht werden sollten, brauchen eigentlich nur Blätter und andere abgestorbene Pflanzenreste die auf das Beet gefallen waren abgesammelt werden. Die spärlichen Grashalme die hier und da mal auftauchen werden ebenso herausgezupft .
Kein Jahr später sieht das Moorbeet schon ganz anders aus. Aus dem Sphagnum, das sich prima ausgebreitet hat, sprossen im Frühjahr zuerst das Knabenkraut, und etwas später die schon abgeschriebene Moorpogonie. Sie wuchsen zu kräftigen Pflanzen heran, und erfreuten uns mit einer herrlichen Blüte. Auch Sarracenia flava und S. leucophylla haben prächtige gelbe bzw. rote Blüten gebildet.  
Man braucht also auch hier ein bißchen Geduld und ich schätze, das in zwei bis drei Jahren von der Badewanne nichts mehr zu sehen sein wird .
Vollbild, 119KB   Einen kleinen Haken hat natürlich auch diese Sache. Die Vögel lieben so ein Moorbeet mindestens ebenso wie wir. Das Sphagnum-Moos wird gerne zum Nestbau verwendet, und die Kelche - gerade bei Sarracenia purpurea - werden seitlich aufgepickt, um an die gefangenen Insekten heranzukommen. Zur Not muß also das Moorbeet mittels ein paar Stangen und einem Netz geschützt werden. Bei unserem Moorbeet halten sich glücklicherweise die Schäden noch in akzeptablen Grenzen.



Geflecktes Knabenkraut (Dactylorhiza maculata):
Vollbild, 41KB   Vollbild, 68KB   Vollbild, 83KB   Vollbild, 70KB

Moor-Pogonie (Pogonia ophioglossoides):
Vollbild, 89KB   Vollbild, 49KB

Bunte Schlauchpflanze (Sarracenia leucophylla):
Vollbild, 46KB   Vollbild, 37KB

Gelbe Schlauchpflanze (Sarracenia flava):
Vollbild, 77KB   Vollbild, 87KB   Vollbild, 42KB   Vollbild, 37KB